Läufst du auf „Elternpilot“?

Lächerlich diese Frage, denkst du vielleicht? Klar, du hast eine eigene Wohnung, eine eigene Familie, verdienst dein eigenes Geld, hast Kinder…. Und doch ist es nicht so unwahrscheinlich, dass du immer noch auf „Elternpilot“ läufst. 

Ich treffe immer wieder Menschen, denen es so geht. Und die Schwierigkeiten das Leben zu meistern, rühren zu 99% daher.

Ich gehörte lange Zeit dazu.

Als ich begonnen habe, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen, hatte ich scheinbar einen Lebensplan. Nicht in tausend kalten Wintern wäre ich auf die Idee gekommen, dass dieser Plan nicht zu mir, sondern zu meiner Familie gehörte – original Tiny war darin so gut wie gar nichts. Ich hab einfach übernommen, was mir vorgelebt wurde, ohne zu hinterfragen, ob das für mich auch passt. In dem Versuch diesem Plan zu folgen, habe ich mich fast in den Selbstmord gearbeitet – so konnte ich einfach nicht leben.

Als ich ganz unten angekommen war, ohne Kraft, ständig krank, war ich bereit davon abzuweichen und mich zu fragen, was ich will und was für mich zu einem guten Leben gehört. Ich hatte mich in meinem inneren Dschungel komplett verlaufen. 

Erst wenn es einem schlecht genug geht, ist man auch bereit Hilfe zu suchen und anzunehmen.

Innere Freiheit – das war etwas, das ich nicht kannte. Mein Innenleben bestand aus tausenden unsichtbaren Verboten und irrwitzigen Vorgaben – alle übernommen, nichts original.

Wer ich war? Keine Ahnung. Ich wollte aus tiefstem Herzen gesehen und erkannt werden und war lange Zeit nicht bereit mich anzuschauen. Das da irgendwas nicht passt, ist mir nicht in den Sinn gekommen. Ich war innerlich eher Teenager, auf keinen Fall reifer.

Heute erlebe ich genau das bei meinen Patienten. Die wissen schon, was sie nicht wollen. Haben aber keine Idee, was sie wollen und wie sie dahin kommen. Da ist Leere und ganz viel Angst –  Angst vor der Auseinandersetzung im Innen und Angst vor Ablehnung im Aussen. Stehen bleiben und warten, dass die Probleme sich verziehen geht auch nicht mehr – kurz, es ist echt ungemütlich.

,Wenn wir ehrlich sind, wir würden uns nie bewegen, wenn’s läuft und alles schön ist. So ein bisschen oder auch mehr Reibungsenergie ist manchmal ganz heilsam. Und für einige von uns muss es richtig weh tun, bis wir bereit sind, uns zu hinterfragen, und wieder andere opfern sich. Alles ist möglich und erlaubt!!!

Erwachsen zu sein heisst für mich, dass ich meine Bedürfnisse und Wünsche kenne und ihnen folge. Ich sorge gut für mich. Am Wichtigsten: Ich traue mir, ich selbst zu sein!!!